Prävention & Ernährungsmedizin
Lesezeit: 10 Minuten

Übergewicht bekämpfen: Interdisziplinäre Therapieansätze für nachhaltige Erfolge

Dr. Elisabeth Lerchbaum
Dezember 11, 2024
Rectangle 43
Inhalte

Adipositas ist eine weitverbreitete, komplexe, chronische Erkrankung, eine interdisziplinäre und individualisierte Therapie ist erforderlich. Etwa 50 % der Erwachsenen und 25% der Kinder und Jugendlichen in Österreich sind von Übergewicht oder Adipositas betroffen, und die Prävalenz, insbesondere bei Kindern, steigt stetig. Die Folgen können Erkran­kungen wie Diabetes mellitus, Blut­hoch­druck, ein erhöhtes Risiko für Herz­in­farkt und Krebs­er­kran­kungen sein. Unser Team besteht aus Internistinnen, einer Psychotherapeutin und einer Diätologin, die interdisziplinär an diesem komplexen Thema arbeiten. 

Unsere ganzheitliche Herangehensweise an die Behandlung von Adipositas steht im Mittelpunkt. Ernährungsmedizinische Aspekte, Modifikationen des Lebensstils, modernste medikamentöse Strategien bis hin zur Beratung bezüglich chirurgischer Eingriffe ermöglichen ein optimales Management dieser komplexen Erkrankung. Gerade die neuen medikamentösen Therapien („Abnehmspritzen“) werden zu Recht als „Game Changer“ betrachtet. 

Als ausgebildete Ernährungsmedizinerin (link zum Diplom) biete ich Ihnen die bestmögliche Unterstützung und begleite Sie auf dem Weg zur Ihrem individuellen Wohlfühlgewicht.  

Überge­wicht und die Rolle der Hormone

Eine gesunde ausge­wo­gene Ernäh­rung, regelmäßige Bewegung und ein normales Körper­ge­wicht sind die Grund­lage für das hormo­nelle Gleich­ge­wicht. Umge­kehrt können Schild­drü­sen­er­kran­kungen oder andere Hormon­pro­bleme auch zur Gewichts­zu­nahme und Überge­wicht führen. Bei vielen Frauen kommt es ab dem 35. Lebens­jahr bzw. spätes­tens mit dem Wechsel zu einer Gewichts­zu­nahme trotz gesunder ausge­wo­gener Ernäh­rung und regel­mä­ßiger Bewe­gung. Dabei spielen Hormone eine wesentliche Rolle. So beein­flussen vor allem Schild­drü­sen­hor­mone, die männ­li­chen Hormone (Andro­gene), Östrogen, Insulin aber auch das Cortisol oder Wachs­tums­hor­mone das Körper­ge­wicht. Ein hormo­nelles Ungleich­ge­wicht dieser Hormone kann zu einer Gewichts­zu­nahme bzw. zu Problemen bei der Gewichts­re­duk­tion führen. 

Diagnostik bei Adipo­sitas 

Eine umfassende hormonelle Untersuchung inklusive Erhebung eines großen Hormonstatus ist die Grundlage für die Abklä­rung der Gewichts­pro­bleme. So kann eine genaue Diagnostik bzgl. eines Hormon­man­gels oder Hormon­über­schusses erfolgen. Als Endo­kri­no­login beur­teile ich die gesamte komplexe Kaskade endo­kriner und meta­bo­li­scher Regel­kreise. Diese Abklä­rung bildet die Basis, damit eine möglichst individuelle Ernährungsumstellung und Diätplanung erfolgen kann. Die Behand­lung eines Hormo­n­ex­zess (z.B. Cortisol) bzw. der Ausgleich eines Hormon­man­gels (z.B. bei einer Schild­drü­sen­un­ter­funk­tion) sind in manchen Fällen die Voraus­set­zung um eine erfolg­reiche Gewichts­re­duk­tion zu ermög­li­chen. Durch einen oralen Gluco­se­to­le­ranz­test (Zucker­be­las­tungs­test, oGTT) können schon sehr frühe Formen meta­bo­li­scher Störungen wie z.B. eine Insu­lin­re­sis­tenz, eine gestörte Gluco­se­to­le­ranz oder ein Präd­ia­betes erkannt werden. Darüber hinaus erfolgt eine umfassende internistische Abklärung inkl. Bestimmung der Blutfette, des Blutdrucks, des Blutzuckers und der Leberwerte, bei Bedarf können weitere gezielte Ultraschalluntersuchungen z.B. zum Ausschluss einer Fettleber oder Gallensteinen erfolgen. Ergänzend werden im Rahmen der Blutabnahme wichtige Vitamine und Spurenelemente bestimmt, um einerseits Mangelzustände, die den Stoffwechsel ungünstig beeinflussen können, auszugleichen, und andererseits während der Gewichtsreduktion einen Muskelabbau möglichst zu verhindern bzw. sicherzustellen, dass Fettmasse abgebaut wird.  

Thera­pie­optionen 

Die Grund­lage für jede Gewichts­re­duk­tion ist in jedem Fall ein gesunder Lebens­stil mit ausge­wo­gener Ernäh­rung, Kalo­ri­en­re­strik­tion und regel­mä­ßiger körper­li­cher Bewe­gung. Im Wesent­li­chen sollten Sie sich an der Ernäh­rungs­py­ra­mide orien­tieren: www.gesundheit.gv.at/…ernaehrungspyramide, die beste Ernährungsform ist die mediterrane Ernährung reich an Obst und Gemüse, Fisch und anderen pflanzlichen Produkten. Abgeraten wird jedenfalls von einseitigen Ernährungsformen wie sehr kohlenhydratarmen Diäten und ähnlichem, da diese langfristig im Rahmen des Jo-Jo-Effektes meist zu einer deutlich größeren Gewichtszunahme führen und der Grundumsatz sinkt.  

Vor allem, wenn ein PCOS mit erhöhten männ­li­chen Hormonen, eine Insu­lin­re­sis­tenz und/ oder ein Kinder­wunsch vorliegt, kann auch eine Metformin-Therapie sinn­voll sein. Durch diese Therapie kann die Insu­lin­sen­si­ti­vität gestei­gert, eine Verbesserung der Stoffwechsellage, sowie eine Gewichtsreduktion erzielt werden. 

Medikamentöse Therapie: „Abnehmspritzen“

Eine neue Form der medikamentösen Therapie zur Gewichtsreduktion ist Lirag­lutid (Saxenda®). Lirag­lutid ist eine modi­fi­zierte Form des Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1). GLP-1 wird im Darm sezer­niert und vermit­telt dem Gehirn ein Sätti­gungs­si­gnal, was den Appetit redu­ziert und zur Gewichts­re­duk­tion beitragen kann. Bei gewichts­be­dingten Beglei­ter­kran­kung (Diabetes, erhöhte Blut­fette, Blut­hoch­druck) kann der Einsatz ab einem BMI von 27 kg/ m² erfolgen, ansonsten kann ab einem BMI 30 kg/ m² mit einer Therapie begonnen werden. Die Haupt­ne­ben­wir­kung ist vor allem in der Anfangs­phase Übelkeit, auch Durchfall, Verstopfung  oder Sodbrennen können auftreten. Da das Medikament seit vielen Jahren in der Therapie des Diabetes mellitus eingesetzt wird, ist Saxenda ein sehr sicheres und gut untersuchtes Medikament. Etwaige Gegen­an­zeigen müssen natür­lich im Detail bespro­chen werden. Auch eine wöchentliche Therapie ist möglich mit Semaglutid (Wegovy®) oder Tirzepatid (Mounjaro®). Diese Therapien ermöglichen einen Gewichtsverlust von bis zu 25%, was schon sehr nahe am Effekt verschiedener Operationen (Magenverkleinerung, Magenbypass) liegt. Wichtig ist, dass diese Medikamente eine Unterstützung der Lebensstiländerung darstellen.  

Eine Therapie mit diesen Medi­ka­menten darf ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht und mit regelmäßigen Kontrollen in unserer Ordi­na­tion erfolgen. 

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