Menopause & Wechsel
Lesezeit: 10 Minuten

Vorzeitige Menopause: Wenn die Wechseljahre unerwartet früh eintreten 

Dr. Elisabeth Lerchbaum
Dezember 10, 2024
Fruehe Wechseljahre scaled
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Unter einer vorzeitigen Menopause bzw. vorzeitigen Wechseljahren versteht man das Auftreten eines Hormonmangels (zu wenig Östrogene) und einer unregelmäßigen oder fehlenden Regelblutung im Alter von unter 40 Jahren. Auch die Begriffe „Klimak­te­rium praecox“ oder „präma­ture ovari­elle Insuf­fi­zienz (POI)“ werden synonym verwendet. Wenn diese Beschwerden im Alter von unter 45 Jahren auftreten, dann spricht man von einer frühen Meno­pause bzw. frühen Wech­sel­jahren. 

Sowohl eine vorzeitige als auch eine frühe Menopause kann weitreichende Folgen haben. Einer­seits können Probleme bei noch nicht abge­schlos­sener Fami­li­en­pla­nung die Folge sein, da die Frucht­bar­keit einge­schränkt ist. Ande­rer­seits können durch den Östro­gen­mangel ausge­prägte Beschwerden wie Herz­rasen, Hitze­wal­lungen, Schweiß­aus­brüche, Schlaf­stö­rungen und depres­sive Verstim­mungen auftreten. Zusätz­lich ist auch das Risiko für Osteo­po­rose und Herz-Kreis­lauf­er­kran­kungen erhöht. 

Wie kann die Diagnose „frühe oder vorzei­tige Wech­sel­jahre“ gestellt werden? 

Neben einer genauen Beob­ach­tung des Zyklus bzw. der Beschwerden muss 2 mal ein Hormon­s­tatus gemacht werden (Blut­ab­nahme an 2 verschie­denen Tagen im Abstand von > 4 Wochen) 

Wech­sel­jahre: Beschwerden

Typi­sche Symptome sind Hitze­wal­lungen, Nacht­schweiß, Schweiß­aus­brüche, Herz­klopfen, Dyspa­re­unie (Schmerzen beim Geschlechts­ver­kehr), vagi­nale Trocken­heit, aber auch Schlaf­stö­rungen, Stim­mungs­schwan­kungen, Depressionen und kogni­tive Beein­träch­ti­gungen (z. B. Konzen­tra­ti­ons­schwie­rig­keiten, einge­schränkte Merk­fä­hig­keit). 

Ist eine Hormon­er­satz­the­rapie notwendig?

Wenn die Menopause im Alter von unter 40 Jahren (vorzeitig) oder unter 45 Jahren (früh) eintritt, dann sollte eine Hormonersatztherapie eingeleitet werden bis zumindest zum ca. 50. Lebensjahr. Das ist das Alter, in dem die Meno­pause „norma­ler­weise“ eintritt. Diese Hormon­er­satz­the­rapie ist notwendig, um den Mangel an Östro­genen auszu­glei­chen. Erfolgt kein Ausgleich dieses Hormon­man­gels, können Folge­er­kran­kungen wie Osteo­po­rose oder Herz-Kreis­lauf­er­kran­kungen auftreten. Auch die Sexua­lität, das psychi­sche Wohl­be­finden und die geis­tige Leis­tungs­fä­hig­keit können beein­träch­tigt sein, das Risiko für Harn­weg­sin­fekte, Depressionen und Demenz ist erhöht. Unbe­han­delt führt die vorzei­tige oder frühe Meno­pause zu einer um 2 Jahre verkürzten Lebens­er­war­tung. Im Falle einer vorzeitigen oder frühen Menopause ist das Krebsrisiko durch die Hormonersatztherapie NICHT ERHÖHT! In diesem Fall ist die Hormon­er­satz­the­rapie sogar mit einer Risi­ko­re­duk­tion für Herz­kreis­lauf­er­kran­kungen und Osteo­po­rose verbunden. 

Wenn die Menopause im Alter von etwa 50 Jahren eintritt, was dem natürlichen Verlauf im reproduktiven Leben einer Frau entspricht, ist eine Hormonersatztherapie keinesfalls zwingend erforderlich. In vielen Fällen sind die Beschwerden nur leicht und es ist keine medi­ka­men­töse Therapie erfor­der­lich. Manchmal kann der Einsatz von pflanz­li­chen Präpa­raten wie z. B. Agnu­caston® (Mönchs­pfeffer) oder anderen Phyto­phar­maka hilf­reich und auch ausrei­chend sein. So konnte in einer israe­li­schen placebo-kontrol­lierten Doppelb­lind­studie gezeigt werden, dass die Einnahme von Mönchs­pfeffer Wech­sel­be­schwerden im Vergleich zu Placebo lindern kann. Wenn eine ausrei­chende Linde­rung der Beschwerden durch Phyto­phar­maka nicht möglich ist, sollte eine Hormon­er­satz­the­rapie einge­leitet werden. Diese Hormon­er­satz­the­rapie sollte unter engma­schiger inter­nis­ti­scher und gynä­ko­lo­gi­scher Kontrolle erfolgen. Die Entscheidung für oder gegen eine Hormonersatztherapie bedarf eines ausführlichen Gesprächs und einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung. Ich berate Sie gerne! 

Was genau ist eine Hormon­er­satz­the­rapie? 

Im Rahmen der Meno­pause bzw. Wech­sel­jahre kommt es zu einem Abfall des Östro­gen­spie­gels und dadurch zu einer Reihe von Beschwerden. Diese Beschwerden können durch die Zufuhr von Östrogen gelin­dert werden. In den meisten Fällen kann diese Zufuhr über die Haut (trans­dermal) als Gel, Creme oder Pflaster erfolgen, das mini­miert die poten­ti­ellen Neben­wir­kungen. Wenn Sie eine intakte Gebär­mutter haben (das ist in den meisten Fällen der Fall, manchmal muss die Gebär­mutter aus unter­schied­li­chen Gründen jedoch entfernt werden), dann muss zum Schutz der Gebär­mut­ter­schleim­haut ergän­zend ein Gelb­kör­per­hormon für ca. 10 Tage/ Monat einge­nommen werden. In diesem Fall hat sich die Einnahme von bioi­dentem Proges­teron bewährt. 

Welchen Stel­len­wert haben bioi­dente Hormon bei der Hormon­er­satz­the­rapie? 

In der Therapie der Meno­pause haben Unter­su­chungen gezeigt, dass der Einsatz von bioi­den­ti­schem oral mikro­ni­siertem Proges­teron im Vergleich zu herkömm­li­chen synthe­ti­schen Gesta­gen­prä­pa­raten ein besseres Sicher­heits­profil bzgl. Neben­wir­kungen und Brust­krebs­ri­siko zu haben. 

Welche Rolle spielt die Ernäh­rung bzw. mein Lebens­stil? 

Ein gesunder Lebens­stil mit regel­mä­ßiger körper­li­cher Bewe­gung (Ausdauer- und Kraft­trai­ning), das Beibe­halten (oder Errei­chen) eines normalen Körper­ge­wichtes, eine gesunde ausge­wo­gene Ernäh­rung und das Meiden von Nikotin und von exzes­sivem Alko­hol­konsum sind von großer Bedeu­tung. Durch diese Lebens­stil­maß­nahmen kann das Risiko für Herz­kreis­lauf­er­kran­kungen und Osteo­po­rose deut­lich redu­ziert werden. 

Außerdem sollte auf eine ausrei­chende Kalzi­um­zu­fuhr von 1000 bis 1500 mg täglich geachtet werden. Wenn möglich, sollten Sie diese Kalzium­menge über die Ernäh­rung zuführen. 

Wenn das nicht möglich ist, dann sollten Sie ein Kalziumpräparat einnehmen. Gute Kalziumquellen sind Milch und Milchprodukte, im Falle einer Laktoseunverträglichkeit sollten Sie zu den laktosefreien Alternativen greifen. Eine ausrei­chende Zufuhr von (fett­armer) Milch und Milch­pro­dukten hat nicht nur einen güns­tigen Effekt auf den Knochen­stoff­wechsel, sondern kann auch das Risiko für Adipo­sitas, Stoff­wechsel- und Herz­kreis­lauf­er­kran­kungen redu­zieren. 
Ein Vitamin D-Mangel sollte eben­falls vermieden und gege­be­nen­falls durch die Einnahme entspre­chender Supple­mente behan­delt werden. 

Vorzei­tige Wech­sel­jahre: Schwan­ger­schaft 

Kann ich schwanger werden, wenn bei mir vorzeitige Wechseljahre festgestellt wurden?

Ja. Bei 5 bis 10 % aller Frauen mit vorzei­tigen Wech­sel­jahren kann es zum spon­tanen Eintreten einer Schwan­ger­schaft kommen. Das heißt auch, dass Sie, wenn Ihre Fami­li­en­pla­nung abge­schlossen ist, jeden­falls verhüten sollten. 
 
Wenn bei Ihnen ein vorzeitiger Wechsel festgestellt wurde und Sie einen Kinderwunsch haben, sollte möglichst rasch eine weiterführende Abklärung und Therapie veranlasst werden. Sollte kein Eisprung mehr ausge­löst werden können, dann ist auch die Eizell­spende eine Möglich­keit, um schwanger zu werden und ein Kind zu bekommen. Wir arbeiten mit verschiedenen Kinderwunschinstituten eng zusammen, um  

Welche Unter­su­chungen sind notwendig?

Wenn die Diagnose vorzeitiger oder früher Wechseljahre gestellt wurde, dann sollten eine Reihe weiterer Untersuchungen folgen: 

Zum Ausschluss einer Osteo­po­rose bzw. zur Evalu­ie­rung des Frak­tur­ri­sikos (Risiko für Knochen­brüche) sollte eine Knochen­dich­te­mes­sung (Osteo­den­si­to­me­trie) durch­ge­führt werden. Außerdem sollte der Vitamin D-Spiegel und die Knochen­um­bau­werte bestimmt werden. 

Zur Überprü­fung des Herz-Kreis­lau­f­ri­sikos sollte der Blut­druck gemessen, der BMI sowie der Nüch­tern­blut­zu­cker, HbA1c und die Blut­fette (Lipidstatus) bestimmt werden. 

Zusätz­lich ist in den meisten Fällen eine Unter­su­chung von Schild­drüse und Neben­schild­drüse mittels Ultra­schall und Blut­ab­nahme sinn­voll. Einer­seits ist das Risiko für Schild­drü­sen­er­kran­kungen erhöht und ande­rer­seits sollten sowohl die Überfunk­tion der Schild­drüse als auch der Neben­schild­drüse im Sinne der Knochen­ge­sund­heit behan­delt werden. 

Erhöhtes Risiko für frühe oder vorzei­tige Wech­sel­jahre?

Es gibt eine Reihe von Risi­ko­fak­toren, die Ihr Risiko, von einer vorzei­tigen oder frühen Meno­pause betroffen zu sein, erhöhen. So können Unter­ge­wicht, Rauchen, eine fami­liäre Vorbe­las­tung oder bestimmte Auto­im­mun­er­kran­kungen das Risiko für eine vorzei­tige oder frühe Meno­pause erhöhen. 

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