Schilddrüsengesundheit
Lesezeit: 15 Minuten

Hashimoto verstehen: Ursachen, Folgen und Tipps zur Ernährung und Therapie

Dr. Elisabeth Lerchbaum
Dezember 11, 2024
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Inhalte

Viele Frauen und Männer sind von Hashimoto betroffen. Am häufigsten tritt die Krankheit bei Frauen im Alter zwischen 30 und 60 Jahren auf. Wobei auch Männer sowie deut­lich jüngere oder ältere Personen betroffen sein könne. In Österreich liegt die Häufigkeit bei ca. 10–15 %. Hier erfahren Sie wich­tige Informationen zur Krankheit, dem Krankheitsbild sowie zu den Behandlungsmöglichkeiten. 

Was ist Hashimoto?

Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung. Sie zerstört mit der Zeit das Schilddrüsengewebe durch Entzündungsprozesse. Die Ursache hierfür sind Auto-Anti­körper wie die TPO-AK (Thyro­id­per­oxi­dase-Anti­körper) und die TG-AK (Thyreo­glo­bulin-Anti­körper). Durch diese chro­ni­sche Entzün­dung kommt es in vielen Fällen zu einer Unter­funk­tion der Schild­drüse. In seltenen Fällen kann es auch vorüber­ge­hend zu einer Überfunk­tion kommen. Eine Viel­zahl von körper­li­chen und psychi­schen Problemen kann die Folge sein. Die Höhe dieser Auto-Anti­körper korre­liert gut mit dem Ausmaß der Beschwerden der Betrof­fenen. 

Warum leide ich an Hashi­moto?

Als Ursache für einen Hashimoto ist vor allem eine genetische Veranlagung zu nennen. Dementspre­chend sieht man oft eine fami­liäre Häufung und es sind mehrere Fami­li­en­mit­glieder betroffen. Zusätz­lich zu diesen gene­ti­schen Faktoren spielen in der Entste­hung des Hashi­moto auch eine Viel­zahl von Umwelt­fak­toren eine Rolle. So wird häufig Stress als auslö­sender Faktor genannt. Aber auch Verän­de­rungen des Darm­mi­kro­bioms und Unter- oder Überernäh­rung können Hashi­moto begüns­tigen. Andere Faktoren wie Rauchen, über­mä­ßiger Alko­hol­konsum, Jodmangel oder Jodex­zess, Selen­mangel, eine unzu­rei­chende Vitamin D-Zufuhr oder Medi­ka­mente können einen Einfluss haben. 

Behand­lung von Hashi­moto 

Wenn die Schild­drü­sen­funk­tion normal ist, muss ein Hashi­moto nicht behan­delt werden. Regelmäßige Kontrollen (Blutabnahme und Ultraschall) sind jedenfalls erforderlich. Wenn eine leichte Unter­funk­tion vorliegt, kann in manchen Fällen vor Einlei­tung einer Therapie abge­wartet werden. Wenn jedoch die freien Schild­drüsen ernied­rigt sind (mani­feste Unter­funk­tion) oder Kinder­wunsch besteht, muss eine Behand­lung mit Schild­drü­sen­hor­monen erfolgen. 

Die Folgen von Hashi­moto

Betrof­fene leiden häufig an Stim­mungs­schwan­kungen, depres­siver Verstim­mung, Müdig­keit, Konzen­tra­ti­ons­schwie­rig­keiten, „brain fog“, Gewichts­ver­än­de­rungen, Verdau­ungs­pro­blemen und Problemen mit Haut und Nägeln. 

Ernäh­rung bei Hashi­moto

Eine diäte­ti­sche Therapie des Hashi­moto hat in letzter Zeit zuneh­mende Aufmerk­sam­keit erhalten. Eine ausgewogene Ernährung und eine Diät, die Entzündungsprozesse günstig beeinflusst, kann das Immunsystem regulieren. So zeigten verschie­dene wissen­schaft­liche Unter­su­chungen, dass Mangel­zu­stände bei Pati­en­tinnen und Pati­enten mit Hashi­moto häufig sind. Ein Mangel an Selen, Kalium, Jod, Kupfer, Magne­sium, Zink, Eisen und der Vitamine A, C, D und B könnte eine Rolle spielen. Eine adäquate Zufuhr von Prote­inen, Ballast­stoffen und unge­sät­tigten Fett­säuren scheint sich eben­falls günstig auszu­wirken. Auch eine mögliche Lakto­s­ein­to­le­ranz sollte ausge­schlossen werden. 

Kann Hashi­moto Überge­wicht verur­sa­chen?

Bei Hashi­moto kommt es häufig zu einer Unter­funk­tion der Schild­drüse. Durch diese Unter­funk­tion sinkt der Grund­um­satz. In weiterer Folge kommt es häufig zu einer Gewichtszunahme. Vermehrte körperliche Aktivität, Ausdauer- und Krafttraining können diesen Grundumsatz steigern und eine Gewichtsreduktion ermöglichen. Daher sind diese Akti­vi­täten überaus sinn­voll. 

Rolle der Vitamine und Spuren­ele­mente bei Hashi­moto

  • Eisen: 
    Ein Eisenmangel ist häufig bei Hashimoto. Unbe­han­delt kann dieser zu einem Mangel an roten Blut­kör­per­chen (Anämie) führen. Der Eisen­mangel per se hat auch einen ungüns­tigen Einfluss auf die Produk­tion von Schild­drü­sen­hor­monen. Dadurch kann es zu einer Unter­funk­tion kommen. Somit kann eine Eisen­man­ge­lan­ämie zur Entwick­lung einer Schild­drü­sen­dys­funk­tion beitragen. Umge­kehrt kann eine ausrei­chende Eisen­zu­fuhr die Schild­drü­sen­funk­tion verbes­sern. 

  • Zink: 
    Zink ist wichtig für die Produktion von Schilddrüsenhormonen. Ein Zink­mangel kann zur Schild­drü­sen­dys­funk­tion und erhöhten Auto­an­ti­kör­pern führen. Charak­te­ris­tisch ist auch vermehrter Haar­aus­fall. Ein Ausgleich des Zink­man­gels kann bei Hashi­moto-Pati­en­tinnen und -Pati­enten die Schild­drü­sen­funk­tion verbes­sern. Gute Quellen für Zink sind Kürbiskerne, Leinsamen, Vollkornprodukte, Hirse und Buchweizen. 

  • Jod: 
    Jod ist vor allem für die Schilddrüsenfunktion besonders wichtig. Während der Schwan­ger­schaft spielt Jod eine bedeu­tende Rolle bei der Gehirn­ent­wick­lung des Babys. Erwach­sene sollten 150 µg Jod pro Tag zuführen, Schwan­gere sogar 250 µg pro Tag. Ein Jodmangel kann eine vergrö­ßerte Schild­drüse (Struma oder Kropf) sowie eine Unter­funk­tion verur­sa­chen. Umge­kehrt kann auch eine über­mä­ßige Jodzu­fuhr (>1 mg/ Tag) schäd­lich sein. In den meisten Fällen ist der Konsum von jodiertem Speisesalz ausrei­chend. Vor allem bei Kinder­wunsch oder Schwan­ger­schaft sollten zusätz­lich Jodsup­ple­mente einge­nommen werden. Auch im Falle eines Morbus Basedow ist eine Jodka­renz – das heißt das völlige Meiden von Jod sowie der Gebrauch von unjo­diertem Spei­se­salz – nicht mehr empfohlen. 

  • Magnesium: 
    Ein Magnesiummangel gehört weltweit zu den häufigsten Mangelzuständen. Magne­sium hat einen güns­tigen Einfluss auf das Immun­system. Es kann die Höhe der Auto­an­ti­körper bei Hashi­moto redu­zieren. Ein ausge­prägter Magne­sium­mangel kann das Risiko für einen Hashi­moto erhöhten und zu ausge­präg­teren Symptomen führen. Magnesium ist z. B. in Brokkoli, Vollkornbrot, Naturreis, Hülsenfrüchten, Nüssen, Kartoffeln und Sonnenblumenkernen enthalten. 

  • Selen: 
    Ein Mangel an Selen kann das Risiko für Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise Hashimoto erhöhen. Aber auch eine über­mä­ßige Zufuhr von Selen kann schäd­lich sein und das Risiko für einen Diabetes oder Fett­stoff­wech­sel­stö­rungen erhöhen. Die opti­male Selen­kon­zen­tra­tion im Blut scheint zwischen 60 und 140 µg/ l zu liegen. Eine ausrei­chende Selen­zu­fuhr über die Ernäh­rung scheint somit günstig für Pati­en­tinnen und Pati­enten mit Hashi­moto zu sein. Hefe enthält viel Selen. Diese wird aber meist nur in geringen Mengen konsu­miert. Wichtige Selenquellen sind Fleisch, Fisch, Innereien und möglichst unverarbeitete Getreideprodukte. Öliger Fisch und Meeres­früchte sind eben­falls ratsam, auch aufgrund des hohen Vitamin D-Gehalts. 

  • Vitamin D: 
    Der Vitamin D-Mangel ist häufig bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen. Es gibt Hinweise, dass sich die Einnahme von Vitamin D günstig auf die Schild­drü­sen­funk­tion und die Höhe der Anti­körper auswirkt. So konnte gezeigt werden, dass ein Anstieg des Vitamin D-Spie­gels um 5 ng/ ml das Risiko für eine Unter­funk­tion um 20% redu­ziert. Vitamin D kann einerseits im Körper durch Sonnenlicht selbst gebildet werden. Ande­rer­seits lässt es sich über die Ernäh­rung oder durch Supple­mente zuführen. Gute Vitamin D-Quellen sind Pilze und fettreicher Fisch wie Sardinen, Lachs oder Kabeljau. 

Mikrobiom

Auch Veränderungen des Darmmikrobioms werden häufig bei Menschen mit Hashimoto beobachtet. Um die Qualität des Mikrobioms zu verbessern, sollten folgende Regeln beachtet werden: 

  • Fette: Gesät­tigte Fette haben einen ungüns­tigen Einfluss auf das Mikro­biom wohin­gegen unge­sät­tigte Fette einen posi­tiven Effekt haben. 
  • Verarbeitungsgrad der Nahrungsmittel: Die Zufuhr von möglichst unver­ar­bei­teten Produkten wird ange­raten. So haben z. B. Voll­korn­pro­dukte einen hohen Ballast­stoff­an­teil, was sich günstig auf das Mikro­biom auswirkt. 
  • Vermehrte Zufuhr von sekundären Stoffwechselprodukten von Pflanzen: Kakao, Honig, Obst, Gemüse 
  • Omega 3-Fettsäuren: Konsum von fett­rei­chem Fisch 1-2x/ Woche 
  • Ballaststoffe: Eine Zufuhr von 25 g/ Tag wird empfohlen. 

Laktoseintoleranz

Die Laktoseintoleranz ist bei Hashimoto sehr häufig. Manche Unter­su­chung zeigen, dass bis zu 80 % aller Menschen mit Hashi­moto an Lakto­s­ein­to­le­ranz leiden. Im Falle einer Lakto­s­ein­to­le­ranz kann das Weglassen von lakto­se­hal­tigen Produkten und die Umstel­lung auf lakto­se­freie Milch­pro­dukte zu einer deut­li­chen Verbes­se­rung der Symptome führen. Das Meiden von Milchprodukten, zu dem häufig geraten wird, ist in den meisten Fällen nicht zielführend, außer wenn eine Allergie gegen Milcheiweiß besteht, was sehr selten der Fall ist. Im Gegenteil, der Konsum von (mageren) Milchprodukten wie Joghurt, Cottage cheese oder Kefir hat einen sehr positiven Effekt auf das Mikrobiom und kann einer Gewichtszunahme entgegenwirken.  

Zöliakie und glutenfreie Ernährung

Bei Menschen mit Hashimoto ist das Risiko für eine Zöliakie, das heißt für eine Unverträglichkeit von glutenhaltigem Getreide (Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste, Einkorn, Emmer, Grünkern, Kamut) ist erhöht. Vor allem wenn Magen-Darmprobleme (Blähungen, Neigung zu Durchfall, Bauchkrämpfe, Übelkeit) oder auch ein chron. Eisenmangel, erhöhte Leberwerte oder unklare Hautausschläge vorhanden sind, sollte eine Zöliakie ausgeschlossen werden. Dies kann über eine Bestimmung der Antikörper im Rahmen einer Blutabnahme oder eine Magenspiegelung erfolgen. Von einer glutenfreien Ernährung ohne entsprechende Diagnostik wird abgeraten, da die glutenfreien Ersatzprodukte häufig mehr Zusatzstoffe enthalten und z.B. die Blutfette ungünstig beeinflussen könne.  

Unerfüllter Kinderwunsch

Jedes 6. Paar in Öster­reich bleibt unge­wollt kinderlos. Die Ursa­chen hierfür sind viel­fältig, eine große Rolle spielt die Tatsache, dass sich der Kinder­wunsch in immer spätere Lebens­phasen verschiebt. Auch Schild­drü­sen­pro­bleme sind häufig und können unbe­han­delt ernste Folgen für die werdende Mama und ihr Baby haben. Daher sollte bei Kinder­wunsch eine umfas­sende inter­nistische Abklä­rung mit Fokus auf die Hormone, den Stoff­wechsel und den Lebens­stil erfolgen. 

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